Uniunea Makedonarmânjiloru ditu Ghirmânie

Geschichte

Die Makedono-Romanen

Die Makedono-Romanen / Mazedoromanen, bekannt auch als Aromunen, Makedono -Vlachen, Helino-Vlachen, etc., sind die Nachkommen der romanisierten Bevölkerung der Antike Makedonien, die Nachfahren von Philip II. von Makedonien und Alexander der Große. Die Mazedoromanen(Makedono-Romanen) sind die Bewohner der ehemaligen Provincia Macedonia(148 v. Chr.-467 n. Chr.), die das alte Königreich Makedonien sowie die Regionen Thessalien und Epirus umfasste. Zwischen dem Adriatischen, Jonischen und dem Ägäischen Meer , in diesem Raum hat sich das Volk der Makedono-Romanen gebildet. Sie reden eine romanische Sprache und bezeichnen sich in allen Balkanländern, in denen sie leben, als Armânji oder Makedonarmânji. Über die Zahl der Mazedoromanen auf dem Balkan gibt es unterschiedliche Angaben. Die meisten Wissenschaftler schätzen die Zahl der Mazedoromanen um ca. eine Million ein.

      Die heutige Lage der Mazedoromanen, die in sechs Ländern des Balkans leben, ist äußerst prekär. Ihre Sprache und Kultur sind vom Aussterben bedroht; aufgrund dieser Lage und der fast einzigartigen Situation einer Minderheit in Europa, grenzüberschreitende Massnahmen sind mehr als notwendig, um ein des ältesten Volk Europas vom Untergang zu retten. Der Niedergang der Mazedoromanen(Aromunen) begann mit der Zeit gleich nach den Balkankriegen von 1912-1913.

 

     Zur Zeit des Oströmischen Reiches (467 – 1453) mussten sie ihre Freiheit gegen die willkürliche zentrale Administration von Byzanz oder gegen räuberische Nomaden mit Waffengewalt verteidigen. Deshalb gründeten sie im Mittelalter autonome staatliche Gebilde, die unter dem Namen  “Walachei” eine wichtige Rolle in Südost-Europa spielten. Seit dem 17. Jahrhundert entstanden auf dem Balkan städtische Zentren, die von Mazedoromanen gegründet wurden. Das wichtigste war das heute in Albanien gelegene Moschopolis (Voskopoje). Die Stadt zählte im 18. Jahrhundert über 60 000 Einwohner.

          

     Im 17. und 18. Jht. traten sie für eine grosse Republik aller Nationen in Südosteuropa ein, wo “Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit” für alle gelten sollten. Nicht zufällig war der geistige Vater der Bewegung für eine “Republik aller freien, gleichberechtigten Völker, unabhängig von ihrer Nationalität, Religion, Rasse und Hautfarbe”, der Mazedoromane(Aromune) Riga Fereu Velestin (1757-1798). Am 22. Mai 1905 wurde den Mazedoromanen(Aromunen) durch eine Irade des letzten Sultans kulturelle, religiöse und Verwaltungsautonomie zugestanden. Nur in der kurzen Zeitspanne von 1905 bis zum Frieden von Bukarest (1913) konnten die Mazedoromanen ihre Sprache und Kultur frei entfalten und pflegen. Obwohl 1913 Griechenland, Bulgarien und Serbien zugesichert hatten, die 1905 erworbene Autonomie der Mazedoromanen zu bewahren, den mazedoromanischen/aromunischen Unterricht zu fördern und je einen eigenen Bischofssitz der Mazedoromanen(Aromunen) in allen drei Staaten zuzusichern, unterdrückten sie die Mazedoromanen.

 

     Nach dem Friedenspakt vom 1913 in Bukarest, wurde Mazedonien an vier Ländern verteilt : Griechenland(mehr als die Hälfte), Serbien(später Yugoslawien, heute FYROM-Former Yugoslav Republic of Macedonian), Bulgarien und Albanien. Hier, in Bukarest, wurde das bittere Schiksal der Mazedoromanen für immer besigelt.

 

     Die Lage der Mazedoromanen verschärfte sich im 20. Jahrhundert zunehmend. Während des Ersten Weltkrieges befanden sich mazedoromanische Siedlungen an der Front von Thessaloniki. Die Dörfer wurden verlassen oder zerstört, die Bevölkerung evakuiert, vertrieben oder nach Bulgarien in Lager verschleppt. Nach dem Ersten Weltkrieg folgten massive Vertreibungen, und zwar nicht nur aus Griechenland und Bulgarien, sondern in etwas geringerem Ausmass auch aus Albanien und Jugoslawien. Die Vertriebenen flohen nach Rumänien, Amerika oder Australien. Während des Zweiten Weltkrieges wurde ein Grossteil der aromunischen Orte im griechischen Gebirge evakuiert.

     

     Können, die in diesen Balkanländern lebenden Mazedoromanen(Aromunen) auf eine Wiedergutmachung des damaligen Unrechtes hoffen? Kann Europa von heute für dieses Volk, mit tiefen Wurzeln in Makedonien der Antike, etwas tun? Sind Fragen, die nur von „Europa aus Strassburg“ und „Europa aus Brüssel“ beantwortet werden können.

       

     “Das 20. Jahrhundert brachte ihnen in allen diesen Ländern, zumal in Bulgarien und Griechenland, Zwang, Verfolgung, Tod: Sie wurden umgesiedelt, amtlich mit neuen Namen ausgestattet, durften ihre Sprache in der Öffentlichkeit  nicht mehr gebrauchen, ja nicht einmal sagen, dass es sie überhaupt gab, viele ihrer Dörfer wurden verwüstet und Hunderte ihrer Lehrer, Pfarrer, Intellektuellen inhaftiert, in Lager gesteckt, auf entlegen Inseln verfrachtet. Dabei haben sie selbst einen eigenen Staat niemals angestrebt, schon die Idee des Nationalstaats musste ihnen fremd bleiben, weil sie von jeher weitverstreut siedelten und als Händler wie als nomadisierende Besitzer von Schafherden die großen Räume, die durchlässigen Grenzen brauchten. Dass seit dem Zerfall des Osmanischen Reichs neue und viel mehr grenzen durch den Balkan, durch ihre alten Siedlungs- und Wandergebiete schnitten, war für sie existenzbedrohend; jahrhundertelang hatten sie da und dort Handelsniederlassungen besessen und im späten Herbst ihre riesigen Herden in mildere  Regionen nach Süden getrieben. Nein, nationale Staaten, die den freien Verkehr von Gedanken und Gütern behinderten, waren nichts für die Aromunen.

            Was ihnen, orthodoxen Christen, das islamische Reich gewährt hatte, wurde ihnen von dessen christlichen Nachfolgestaaten sogleich entzogen. Was sie von den europäischen Institutionen heute fordern , ist nichts anders als das, was ihnen schon das Osmanische Reich nicht verwehrte: die Anerkennung, dass es sie gibt, das Eingeständnis, dass es gut ist, dass es sie gibt, und das Versprechen, dass man sie in ihrem Bestreben, dass es sie auch weiterhin gebe, unterstützen werde.

            So bescheidene Ziele, so viel Eifer sie zunichte zu machen.” ( “Die sterbenden Europäer” von Karl – Markus Gauß  / Karl-Markus Gauß wurde 1954 in Salzburg geboren, wo er heute als Essayist, Kritiker und Herausgeber der Zeitschrift “Literatur und Kritik” lebt. Karl-Markus Gauß erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik)

 

Im Zusammenhang mit der Frage über die Sprache der Mazedo-Romanen, hat Prof. Dr. Hans-Martin Gauger von der Abert-Ludwigs-Universität in Freiburg, in der mazedoromanischen Zeitschrift ” Zborlu a Nostru“(Nr.1-2,2000) , in einem Interview gesagt :

 

“Am Aromunischen interessiert mich der spezifische Status einer Minderheitensprache. Dann fasziniert mich auch das Problem des Mazedoromanischen, also die bemerkenswerte Tatsache, dass sich hier unter sehr spezifischen Bedingungen eine Diaspora-Romania bilden und – bis heute – halten konnte. Ich bin der Meinung, dass alles getan werden muss, damit diese Sprache erhalten bleibt. Man müsste die beteiligten Regierungen dahingehend beeinflussen, dass sie dieser Sprache den ihr zukommenden Raum gewähren, etwa in der Schule und im kirchlichen Bereich. Spezifisch ist ja diese Minderheit auch insofern, als sie sonst keine Forderungen erhebt: Sie will nur Anerkennung finden als Kulturelles Element, als Teil des kulturellen Gesamterbes Europas. Für mich gehört das Aromunische, eine vom Rumänischen klar getrennte Sprache, zu der grossen Vielfalt, aber auch zu der grossen Einheit des Romanischen, die wir mit Erstaunen feststellen, erstens auf dem alten Kontinent, vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer, dann in den neuen Welt, auf dem riesigen amerikanischen Kontinent von Quebec und Kalifornien im Norden bis hinunter zum Kap Hoorn im äussersten Süden. Römische Romanisierung zunächst im und durch das „Imperium Romanum“, danach, viel später, von Spanien, Portugal und Frankreich getragen, romanische Romanisierung , und alles geht schliesslich zurück, wie es Eugenio Coseriu einmal gesagt hat, auf „die Sprache der Bauern und Hirten von Latium.”

 

Die Kontinuitätsthese: Mazedo-Romanen, die Bevölkerung Makedoniens der Antike

Zurückgreifend auf die einheimische Form „Armân“, die auf  die Form „ROMANUS“ zurückzuführen ist, hat der deutsche Wissenschaftler Gustav Ludwig Weigand, den heute üblichen und meist in der deutschen Literatur verbreiteten  Volksnamen „Aromunen“, 1894 ins Deutsche eingeführt, nach dem er im 19-en Jahrhundert die Balkangebiete besuchte und darüber ein zweibändiges Buch veröffentlichte.

Sein Vorschlag, die Selbstbezeichnung „Armân“ für dieses Volk auch in der rumänischen Schriftsprache einzuführen, hat sich leider nicht durchgesetzt. Stattdessen, Weigands Schüler Sextil Pu?cariu, der als ein sehr glühender rumänischer Nationalist bekannt war, konnte das Wort „Aromân“ , d.h. „a“ vor dem Normalwort für Rumäne, „Român“ so stark prägen, daß auch die Entsprechungen in den anderen europäischen Sprachen für jeden deutlich machen konnte: französich „Aroumain“, italienisch „Arumeno“, englisch „Aromanian“, u.s.w.

Es waren die Zeiten der rumänischen Propaganda in der „makedonoromanischen (aromunischen) Frage“, eine Propaganda, die auch heute noch andauert.

Der von Gustav Weigand geprägte Volksname „Aromune / Aromunen“, sowie die Entsprechungen in den anderen europäischen Sprachen, haben allmählich die ältere Bezeichnung „Makedono-Wlachen“(„Makedonarmân“) verdrängt. Auch die Bezeichnung „Makedono-Wlachen“ wurde ins Rumänische falsch interpretiert und wurde mit „Mazedo-Rumänen“ übersetzt. Selbst das in Wien 1813 erschienene Buch von Mihail Boiagi, „Makedono-Wlahische Gramatik“ wurde in der rumänischen Literatur unter „Mazedo-Rumänische“ Gramatik übersetzt.

Für einige Sprachwissenschaftler, nicht aber für viele Historiker, scheint die Bezeichnung Makedono-Wlachen („Makedonarmânen“) als unzureichend und irreführend mit der Begründung, das die „Aromunen“ weit über Makedonien hinaus ansässing sind, eine Behauptung, die nicht der Tatsache entspricht. Wenn wir vom Makedonien der Antike reden, dann sind die Makedo-Romanen / „ Aromunen“ heute dort „Zuhause“ (Nord-Grichenland, Süd-Albanien, West-Bulgarien, Süd-Serbien – heute Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien) wo sie auch in der Antike waren, ausgenommen die Makedo-Romanen aus Rumänien wo sie sich nach der Auswanderung zwischen den zwei Weltkriegen in diaspora befinden: Makedonien der Antike hat Epirus und Tessalien inbegriffen.

Es wurde viel über die „aromunische Frage“ geschrieben, die meisten Studien aber haben als Startpunkt für die Geschichte der Makedoromanen / Makedonarmânen, die Zeit der Stürme der Völkerwanderung und vor allem der slawischen Einwanderung auf den Balkan seit dem Ende des 6. Jahrhunderts und kaum hat sich einer die Frage gestellt, was mit der Bevölkerung Makedoniens geschah, nach der Ansiedlung lateinischsprachiger Veteranen auf dem Balkan, im zweiten Jahrhundert vor Christus, nachdem die Römer im Jahr 148 die Provinz Macedonia eingerichtet hatten ?

Zu den Makedo-Romanen und ihrer Ausbreitung existieren in der Geschichtsforschung sehr verschiedene und häufig sehr umstrittene Auffassungen, von der dakorumänischen These bis hin zur Betonung absoluter Siedlungskontinuität:

  • Dakorumänische These: Es wird von einem intensiven Austausch romanischer Bevölkerung zwischen den nördlich der Donau gelegenen Ländern und dem südlichen Balkan ausgegangen, als Argument dafür dient die Verwandtschaft der beiden romanischen Sprachen, makedonoromanischer / aromunischer und rumänischer Sprache; diese These ist von den meisten Sprachwissenschaftlern vertreten;
  • Kontinuitätsthese: Es wird davon ausgegangen, dass die Makedono-Romanen unmittelbar von der Bevölkerung Makedoniens Thessaliens und des Epirus abstammen; diese These ist von allen Historikern vertreten, von griechischen Sprachwissenschaftlern, auch von westlichen Wissenschaftler (J. Thunmann, der Gründer solchen Forschungen), wird  aber von den meisten rumänischen Sprachwissenschaftlern widersprochen (mit Ausnahme, Th. Capidan, Tache Papahagi, Matilda Caragiu-Mario?eanu, Nicolae Saramandu, Cicerone Poghirc) mit der Begründung, daß vor 980 n.Chr. der Name „Vlach“ nirgends auftauchte, nach dem Motto, „quod non es in scriptis non est in hoc mundo“, eine Devise der Bürokraten.

Als Initiator der Dakorumänischen These gelten die Bahauptungen des byzantinischen Geschichtsschreibers Kakaumenos sowie die reproduzierten Behauptungen von Chalkokondyl, deren Pertinenz aber unüberzeugend blieben, so die Aussagen von vielen Historikern. Obwohl viele andere byzantinische Historiker über die Verwandtschaft der Vlachen aus Dakien und Pindus schrieben, haben nie von einer Völkerwanderung vom Norden nach Süden gesprochen, oder umgekehrt vom Süden nach Norden, sie haben lediglich von ihren gemeinsamen romanischen Ursprung geschrieben.

Der Name „Vlach“ taucht schriftlich zum ersten Mal im Jahre 980 n. Chr. auf, in einem Brief von Vasili II Bulgarocton in dem „die Vlachen aus ganzem Bulgarien“ erwähnt sind und seitdem gilt dieses Wort in Griechisch als Bezeichnung für die romanisierte Bevölkerung aus Makedonien (Nord-Griechenland), Bulgarien und Süd-Albanien. Davor war diese romanisierte Population aus Makedonien unter dem Namen „Rhomaioi“ (griechisch „ ???????“) bekannt, eine Differenzierung zwischen „Rhomaioi“ und „Ellenes“ sei aber in allen griechischen Texten erwähnt worden.

Dem Ausdruck „Vlach“, mit dem die romanischen Siedler bezeichnet wurden, begegnet man auch im Jahre 976 n.Chr. bei dem byzantinischen Historiographen Kedrenos mit Bezug auf die Ermordung Arons, Bruder des Zaren Samuil, zwischen Kastoria und Prespa, bei den sogenannten „Schönen Eichen“, von gewissen „reisenden Vlachen“.